In der Nacht, in der mir die Gedanken über den Kopf wuchsen, habe ich mich auf den Balkon gesetzt und eine Flasche Wein getrunken. Zum ersten Mal seit Monaten habe ich in den alten CDs gestöbert und mich gefragt, ob ich deswegen so anders geworden bin, deshalb, weil ich kaum noch zu meinen verstaubten Schallplatten im Regal greife und all die kleinen Dinge, die früher fast schon ein Ritual waren, nicht mehr mache.
Ich denke oft über mich nach, meistens jedoch über die Dinge, die andere tun. Und wenn es so ist, dann muss ich mich ziemlich allein fühlen.
Es ist komisch, aber in letzter Zeit tust du so, als hätte es mich nie gegeben. Man könnte meinen, dass wir uns trotz der ganzen Jahre niemals gekannt hätten und so langsam beginne ich zu glauben, dass es wahr ist. Wenn überhaupt nichts übrig bleibt von der Zeit, dann frage ich mich, ob es all das überhaupt wert war und welches Spiel wir da gespielt haben. Manchmal ist man zu zweit einfach weniger allein, auch wenn wir immer ein unterschiedliches Verständnis von Zweisamkeit hatten.
Das war schon immer so: Ein Jahr Warten bedeutet für mich eine Ewigkeit, bei dir sind es nur fünf Minuten. Zu zweit über eine Straße laufen bedeutet für mich zu zweit auf der Welt sein. Bei dir heißt es, drei Schritte vor dem anderen herlaufen, als wolltest du wegrennen.
Dass das nicht gut gehen konnte, war absehbar und trotzdem gab es da noch diese anderen Momente, in denen wir gemeinsam aus einem Fenster schauten und zusammen schweigen konnten, ohne stumm zu sein, die Nacht unter der Buche oder ein Kaffee am Morgen.
Solche Momente halten einen auf, leb wohl zu sagen, weil man die Hand fest um das Schöne schließt, bis es schließlich zerdrückt wird. Dann bleibt einem gar nichts anderes mehr übrig, als sich umzudrehen und die Hand zu heben – ein letztes Mal.
Ich glaube, du fehlst mir heute nicht mehr. Es ist nur so, dass ich nicht verstehe, wie man einen Menschen vollkommen aus sich raus radieren kann, bis keine Spur mehr zu ihm zurückführt. Vielleicht ist das der vernünftigere Weg, aber nach all den Jahren erscheint es mir falsch. Du machst da weiter, wo du vorher aufgehört hast und vergisst, dass man so nicht weiterkommt. Wahrscheinlich ist es bloß ein neues Spiel und jeder, der nicht mitspielt, kann die Regeln nicht verstehen; doch während du noch fleißig radierst, sitze ich hin und wieder auf dem Balkon und lausche der Musik, die mich erinnert.

Wunderschön geschrieben.
Have fun
Otaku
“Zu zweit über eine Straße laufen bedeutet für mich zu zweit auf der Welt sein. Bei dir heißt es, drei Schritte vor dem anderen herlaufen, als wolltest du wegrennen.” manchmal braucht es nur einen satz, um alles zu sagen, einen satz, den man immer wieder liest, weil … alles stimmt.
oh ja…wunderschön melancholisch. deine Gedanken berühren mich.
LG und eine schöne Nacht
Somehow i missed the point. Probably lost in translation :) Anyway … nice blog to visit.
cheers, Incontrovertibly!!