Als ich heute Morgen so am Strand entlang lief – kurz nach der Ein-Frau-Insel-Party – und mich vom Tanzen erschöpft in meine Hängematte legen wollte, traf mich etwas Hartes am Kopf. Zuerst dachte ich, es sei vielleicht eine Kokosnuss, aber nein, das wäre wohl wesentlich schmerzhafter gewesen. Verwundert schaute ich mich um und siehe da – ein Buch! Fein geschwungen stand dort mit grünen Buchstaben „Für Ada Mitsou“.
„Die Schrift kenne ich doch!“ dachte ich und tatsächlich, ein Blick Richtung Horizont verriet mir, dass auf der Nachbarinsel eine kleine Gestalt wild mit den Armen fuchtelte. Es war Fiwi, meine hoch geschätzte Nachbarin, zwar viele Meilen entfernt, aber doch immer da, wenn mir die Himmelsdecke mal auf den Kopf fiel. Nach einem kurzen Winken zurück, schlug ich neugierig das Buch auf:
Liebe Ada,
die Zeit für ein neues Stöckchen ist gekommen! Da Stöckchen auf Dauer jedoch etwas langweilig sind, schicke ich dir hiermit symbolisch ein Buch. Na, errätst du schon, worum es geht? Richtig! Nenne mir die fünf Bücher, die du in deinem kleinen roten Köfferchen auf die Insel mitgenommen hast. Anbei eine Liste meiner Lieblinge.
Herzlichst,
Deine Monfiwi
Hach, wie schön! Endlich kommen Papier und Stifte zum Einsatz! Bisher war das Leben auf dieser Insel nämlich – ehrlich gestanden – ein wenig eintönig, da hilft auch keine schöne Musik. Rasch erwachte ich aus meiner Partymüdigkeit und zückte das rote Köfferchen hervor. Zahnbürste, Klamotten, Briefe… ah, da sind sie ja! Hier also meine fünf Inselbücher:
1. Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort von Jostein Gaarder

Ich weiß, bis Weihnachten ist es noch lange hin, doch manchmal muss man ein wenig vorausschauen und da ich voraussichtlich auch in sechs Monaten noch hier festhänge, brauche ich also die passende Lektüre. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit lausche ich den Gesprächen zwischen der todkranken Cecilie und dem Engel Ariel, die sich gegenseitig ausfragen und gemeinsam auf das Weihnachtsfest warten. Dieses Buch trägt etwas Warmes in sich und schenkt mir immer ein wenig kindlichen Trost. Perfekt für ein besinnliches und leicht nachdenkliches Fest auf der Insel!
2. Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon

Ich habe dieses Buch vor ein paar Jahren gelesen und erinnere mich daran, es verschlungen zu haben. In der Uni, im Bett, in jeder Minute, die ich übrig hatte. Allerdings erinnere ich mich heute nicht mehr genau an die Begegebenheiten darin. Das spricht nicht gegen das Buch, sondern ist bloß ein Zeichen meines Siebgedächtnisses. Auf der Insel könnte ich die Geschichte noch mal neu erleben und hätte wegen der fast 600 Seiten ein paar Tage Beschäftigung.
3. Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt von Haruki Murakami

In diesem Buch geht es u. a. um einen eingeschneiten Ort – eine ideale Sinnesverführung an zu heißen Inseltagen. Außerdem geht es um die Macht von Musik und um Erinnerungen. Als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, war ich irgendwie nicht ganz bei der Sache. Trotzdem fand ich das Buch gut, doch es interessiert mich, wie ich es beim zweiten Mal mit mehr Aufmerksamkeit wahrnehme.
4. Sein wie keine andere von Ingeborg Gleichauf

Es handelt sich hierbei um eine Biographie von Simone de Beauvoir. Ich habe das Werk noch nicht gelesen, doch da sie eine meiner liebsten Schriftstellerinnen ist, interessiert mich natürlich auch ihr Leben brennend. Vielleicht wird sie auf der Insel eine Freundin werden oder jemand, der mir die Welt mit anderen, möglicherweise auch fremden Augen zeigt. Spannung, Philosophie und Bildung zugleich.
5. Stein und Flöte von Hans Bemmann

Stein und Flöte ist eine Art Märchen, das mir ein sehr guter Freund einmal zum Geburtstag geschenkt hat. Dieses Buch muss mit auf die Insel, weil zum einen eine Widmung darin steht, die mich an mein Leben jenseits der Insel erinnert und zum anderen eine Geschichte mit soviel Zuversicht und kleinen Weisheiten erzählt wird, wodurch mich der Optimismus niemals verlassen wird. Ich kann es an einem Stück lesen oder mir einzele Geschichten heraus picken. Abenteuer, Phantasie, Liebe und Familie – eben die Schwerpunkte, auf die es mir im Leben ankommt.
So, liebe Fiwi, meine Liste ist komplett und gleich wird dein Buch zu dir zurückfliegen. Zuvor schicke ich jedoch schnell eine kleine Flaschenpost auf die Reise. Darin steht in lindgrünen Lettern:
Wer diesen Brief findet, darf ihn behalten. Nenne mir die fünf Bücher, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest. Sie müssen nicht deine Lieblinge sein und auch nicht neu, sondern einfach nur die Werke, die du gerne bei dir haben möchtest, wenn niemand anderes da ist…
Ada Mitsou

Hach, aber so ganz zufrieden bin ich mit der Auswahl eigentlich nicht – es müssten einfach mehr Bücher sein!
noch ganz verschlafen lief ich eben zum briefkasten und da fiel plötzlich ein großes oh! aus dem mund, denn die ada mitsou hat mir ein buch zugeworfen und es so schön in worte verpackt, dass ich mit einem lächeln schwuppdiwupp erwachte, die müdigkeit flog auf und davon. vielen lieben dank für den kleinen zauber, den du vor mir ausgebreitet hast. merci, merci, merci. * wie schön sind deine bücher! da können wir wohl getrost mal unsere lektüren tauschen. : ) so bekannt & vertraut ist das alles, das ich mir glücklich am kopf kratze.
oh eine hübsche Auswahl, ich gestehe ich kenne nur eins von deinen Fünf…”Der Schatten des Windes”.
….aber die anderen machen mich neugierig sie in die Hand zu nehmen. Ich bin neugierig wie sie sich anfühlen, denn ein Buch sind nicht nur jede Menge bedruckte Seiten…ein Buch hat eine Seele…bei manchen fühle ich sie sofort, bei anderen bleibt sie mir verschlossen.
Ich muss mal wieder in eine Buchhandlung ist schon lange her, …..gestern wars…
LG