Ich bin die, die sich zurück sehnt
Dienstag, 6 Mai, 2008 von Ada Mitsou
Sie ist zurückgekommen. Heute Nacht schleicht sie mir um die Beine wie eine schwarze Katze. Doch das Tier heißt Melancholie und ernährt sich von den Erinnerungen einsamer Menschen.
Sie weidet sich an den schönen Filmen, die einem vorgaukeln, dass die Welt noch in Ordnung ist, an den Liedern, die einen vergessen lassen, dass man bloß allein in einem Zimmer sitzt, welches man schon seit 20 Jahren kennt. Unerbittlich reibt sie sich an meiner Haut, bis die Stelle ganz taub wird.
Ich habe sie lange ausgesperrt, doch heute höre ich ihr zu. Sie erzählt mir all die alten Geschichten: Körper, die mich wärmten, um im nächsten Moment unachtsam die Decke beiseite zu ziehen. Worte, die meine Ohrmuschel umschmeichelten und Gesten, die mich glauben machten, ich könne den Lauf der Dinge ändern.
Letzte Nacht habe ich ihn geändert, doch wider Erwarten fühlt sich nichts besser an. Das Herz bleibt schwer.
Ich bin die, die sich zurück sehnt in eine Zeit, die längst vergangen ist. Ich bin die, die mit den Veränderungen nicht umgehen kann und sich deswegen immer und immer wieder der Nähe entzieht. Jemand, der mich gestern angelächelt hat, ist heute nicht mehr der, den ich vermisse. Doch mir fehlt die Zeit, in der ich glaubte, dass das Vermissen etwas ist, an dem ich festhalten kann.
Wo sind die Menschen, mit denen ich früher reden konnte? Und wo sind die, die mir die Nächte raubten? Ich habe viel Zeit damit verbracht, mich selbst zu vergessen. Und jetzt? Jetzt finde ich mich nicht mehr wieder. Nur ein Abbild dessen, was heute eine leere Hülle im Raum ist.
Sie schleicht mir um die Beine, die Melancholie, und ernährt sich von den Erinnerungen eines einsamen Menschen.
und es gibt menschen, die dir das nachempfinden können als wären sie andere katzen, die dir sanft das herz streicheln und sagen: du bist nicht allein. in jedem tropfen melancholie wiegt sich auch die zuversicht, die schon jetzt kraft spendet.***
Ab und an beschleicht mich dieses Gefühl auch… obwohl ich doch eigentlich gar nicht einsam bin…
Wunderschön geschrieben. :-)
Welch schöne Worte……
Das Gefühl, ich kenne es, es schleicht sich von hinten an, um dann mit einem Satz auf uns zu springen, um uns umzuhauen.
Dann hilft nur raus aus der Tristesse ….. , doch manchmal bleibt ich auch gerne in der Melancholie gefangen und schöpfe sogar Kraft daraus. :???:
Ich wünsche dir das du das Gefühl aushalten kannst, oder besser einen Liebsten an der deiner Seite zum gemeinsam aushalten….