Ist es schon morgen?
Ich glaube, ich liege dazwischen, zwischen Nacht und Morgendämmerung, zwischen gestern und heute. Es ist zu früh zum Schlafen und zu spät, um die Augenlider offen zu halten.
Vor ein paar Stunden saß ich noch neben dir, mein Arm so nah an deinem, dass sich die Härchen hätten berühren können. Doch sie taten es nicht. Ein paar Blicke, ein leises Lachen oder ein Gedanke im Kopf, doch nicht eine Sekunde deine Wimpern auf meiner Wange.
Wir sind vorsichtig geworden. Kosten die Zeit mit angeschmiergelten Fingerspitzen, anstatt die Hände zu Fäusten zu ballen. Die Kämpfe sind längst vorüber und der Wind peitscht nur noch gegen das Glas der verregneten Fenster. Dahinter, da wo wir sitzen, ist es ruhig geworden.
Manchmal warten wir auf den Moment des Abschieds, weil wir uns dann küssen können. So sehr, dass mein Kinn von deinen Bartstoppeln ganz rot ist. Und dann halten wir uns, so behutsam, dass unser Atmen zu kleinen Seufzern wird.
Die ganze Zeit über liegst du auf meiner Handfläche und manchmal kitzeln deine Bewegungen. Da reicht schon ein Blinzeln. Aber schließen werde ich sie nie.
Noch nicht. Erst, wenn du anfängst zu verschwinden.
