Hineingeboren wurde sie in die britische Upper Class, doch ihre Vorstellungen und Werte deckten sich nie ganz mit denen ihrer Eltern. Sie war zu eigenwillig und sie wollte kämpfen – gegen den Rassismus, für persönliche Freiheit und auch für kleine namenlose Schriftsteller.
Die Rede ist von der englischen Verlegerin und Schriftstellerin Nancy Cunard (1896-1965).

Nancy Cunard wurde 1896 als Tochter eines Reeders und einer Adligen in England geboren. Anders als ihre Eltern, die ihren Lebensstil und die gehobene Gesellschaft genossen, hatte Nancy schon in jungen Jahren eine Abneigung dagegen. Sie freundete sich mit Intellektuellen an, suchte den Umgang mit Andersdenkenden und hörte am liebsten Jazz.
Ihr Umzug nach Paris in den 20er Jahren war für sie eine Chance ihrem Elternhaus zu entkommen und das unabhängige Leben zu spüren. Sie verkehrte in Künstlerkreisen (Surrealismus, literarische Moderne und Dadaismus), trank viel Alkohol und – so wird es vermutet – nahm auch Drogen. Aldous Huxley (Schöne neue Welt, Die Pforten der Wahrnehmung) war einer ihrer Liebhaber und sie wurde zu seiner Muse. Letzteres galt ebenso für Hemingway, James Joyce und Man Ray. Doch Nancy schrieb auch selbst, sodass während ihrer Zeit in Paris viele Gedichte entstanden, die schließlich gesammelt veröffentlicht wurden.
Nach acht Jahren des sorglosen Lebens beschloss Nancy 1928 einen eigenen Verlag zu gründen, der seinen Sitz in der Nähe des berühmten Pariser Buchladens Shakespeare & Company hatte. Die Grundsätze von The Hours Press – so hieß der Verlag – bestanden darin, experimentelle Poesie zu fördern und jungen, insbesondere afroamerikanischen Schriftstellern eine bessere Bezahlung zu garantieren. Durch ihr geerbtes Vermögen war es Nancy erlaubt Risiken einzugehen, die anderen Verlagen nicht möglich waren. Außerdem standen ihre Bücher für eine qualitativ hochwertige Produktion und ein für damalige Verhältnisse schönes Design.
Zu ihren Klienten gehörten u.a. Samuel Beckett und Ezra Pound.

Bis hierher liest sich Nancy Cunards Leben wie eine einzige große Chance: Sie ist reich, kann machen, was sie möchte, verwirklicht sich ihren Berufswunsch und trifft interessante Persönlichkeiten. Es gab jedoch auch eine andere Nancy.
Im selben Jahr, als sie ihren Verlag gründete, lernte sie Henry Crowder, einen afroamerikanischen Jazz-Musiker kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und lebten schließlich zusammen. Allein die Tatsache, dass ihre Tochter mit einem Afroamerikaner zusammen war, sorgte bei Nancys Mutter für Aufregung und Empörung.
Schlimm wurde es jedoch erst, als die “Salonrebellin” begann, sich offiziell gegen Rassismus zu engagieren. Sie veröffentlichte Anthologien mit schwarzen Schriftstellern, woraus die Presse eine große Geschichte machte und u.a. der Klu Klux Klan auf die Verlegerin aufmerksam wurde. Sie bekam Drohungen, Hassbriefe und ihre eigene Mutter zeigte sie bei der Polizei an. Doch die junge Frau ließ sich davon nicht einschüchtern.
Neben ihrem Einsatz gegen Rassentrennung kämpfte sie auch gegen den Faschismus, wodurch sie im Spanischen Bürgerkrieg vor Ort in den Flüchtlingslagern half und in Zusammenarbeit mit dem Lyriker Pablo Neruda antifaschistische Artikel verfasste. Es gab Tage, da fand man sie mit ihrem Skizzenblock mitten auf den Kriegsschauplätzen und sie gab erst auf, als ihr Körper nicht mehr mitmachte und sie aufgrund einer Erkrankung und Schwäche nach Paris zurückkehren musste. Dort schloss sie sich der Resistance an, um weiter politisch aktiv zu bleiben und für ihre Grundsätze zu kämpfen.

Nach dem Krieg reiste die Verlegerin ausgiebig, zog sich jedoch letztlich aufgrund von psychischen Problemen zurück. Einige Zeit nach ihrem letzten Klinikaufenthalt fanden Polizisten Nancy auf den Straßen von Paris. Sie war auf 30 kg abgemagert und starb wenige Tage später im Alter von 69 Jahren in einem Krankenhaus an den Folgen ihres exzessiven und teilweise sehr ärmlichen Lebensstils.
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Weitere Kalenderblatt-Beiträge:
Teil 1: Shakespeare & Company – Eine Bilderreise
Teil 2: In den Träumen von Leonora Carrington
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eine sehr bewegende kurzbiographie ist dir gelungen, liebste ada.
vor solchen engagierten menschen ziehe ich meinen hut und doch finde ich es sehr traurig, dass sie für ihre mühen nicht belohnt werden, dass sich sich ständig durchsetzen müssen, keine ruhe finde, aber vielleicht steht das nicht im vordergrund, sondern der versuch, der kampf, etwas gegen ungerechtigkeit zu tun, egal, was passiert. um so wichtiger finde ich es, dass man sich noch nach ihrem tod an sie erinnert und deshalb schätze ich deinen text hier besonders. nancys name ist leider nicht so bekannt wie der von sylvia beach oder gertrude stein, aber sie hat damals großes geleistet und sollte nicht in vergessenheit geraten.
nancy cunard war nicht nur eine idealistin, sondern auch eine sehr stilvolle frau, wie deine fotos zeigen. ich danke dir für die reise in die pariser zeit, die mich nach wie vor noch sehr fasziniert.*
Danke fürs Erkennen und deine Worte*