Ich dachte, ein bisschen Klarheit macht das Leben einfacher, doch jetzt zwei Tage später fühlt es sich gar nicht danach an.
Das geht vorbei, sagen die Leute und ich nicke stumm in meinen Mantelkragen. Natürlich geht es vorbei. Die Welt ist dreimal untergegangen und ich lebe immer noch. Und wahrscheinlich überstehe ich auch ein viertes Mal, aber jetzt in diesem Moment fühlt es sich einfach nicht danach an.
Wir sitzen in diesem kleinen Café und du sagst mit eindringlicher Stimme „Er weiß doch gar nicht, was er will!“. Dabei seufzst du und verdrehst ein wenig die Augen. Ich glaube, du verzweifelst langsam, weil ich dir immer wieder mit dieser Geschichte in den Ohren liege und das nicht erst seit gestern. Du sprichst gegen ihn, ich dafür. Du willst das Beste für mich, ich will ihn.
Nachdenklich rühre ich in meinem Kaffee. Ja, er weiß nicht, was er will und das war der Grund, warum ich gehen musste. Nur manchmal weiß ich es ja selbst nicht, wie soll ich es ihm da übel nehmen? Ich glaube, ich bin noch nicht mal wütend. Die Enttäuschung ist verflogen und der aufbrausende Sturm im Innern hat sich schneller gelegt, als ich dachte. Es ist kein typischer Untergang mit Weinen und Toben, noch nicht mal mehr Verzweiflung ist da. Aber irgendwas liegt nicht an seinem Platz.
Ich frage mich, ob ich abgestumpft bin. Vielleicht gewöhnt man sich ja daran, dass der andere nicht mehr anruft und niemand da ist, der einem die Füße wärmt. Und vielleicht liegt es auch einfach daran, dass er Kilometer weit weg wohnt. Nur die Tatsache, dass ich weiß, dass er da draußen irgendwo ist, hält mich davon ab, es auf die leichte Schulter zu nehmen. Manchmal spürt man die Anwesenheit des anderen, obwohl er gar nicht da ist. Und manchmal braucht man keine Fotos, um zu wissen, wie der andere aussieht…
„He, noch da?“ Du schiebst deinen Kopf so gut es eben geht zwischen Kaffeetasse und mein Gesicht. „Was?“, frage ich und schaue dich verwirrt an. „Ich fragte, ob du ihn liebst!“ Ein paar schweigsame Minuten vergehen.
„Ich weiß es nicht.“, murmle ich.
„Wenn du es nicht weißt, dann ist es auch nicht so“, antwortest du nicht ohne Zufriedenheit.
Seltsam, vor nicht allzu langer Zeit habe ich genauso gedacht, aber jetzt… jetzt ist alles ganz anders. Denn jetzt ist er nicht mehr da und ich habe zum ersten Mal das Gefühl ihn ein wenig zu verstehen.

manchmal sind es kleine ausschläge der lebensuhr, die bilder ändern – ob wir wollen oder nicht.