Soviele Fotos, Abziehbilder meiner Erinnerung . Federn, Menschen, kleine Dinge.
Man sagt immer, dass das, was man erlebt und gesehen hat, im Herzen bleibt, doch manchmal habe ich trotzdem Angst, es zu verlieren. Angst, dass deine Hand aus meiner rutscht, ganz leise und fast unbemerkt, weil sie zu schwach ist, mich zu halten.
Ein Vogel hat sich verirrt, flatternd und zitternd im Raum; mitten in die Stille hinein, als würde man die Seiten eines Buches im Eiltempo durch die Finger gleiten lassen. Flügelschläge. Papierflügel. Zerrissen und unfähig zum Flug. Warum kann sich etwas nur dann emporheben, wenn es makellos ist?
Du sagst, ich wäre eine so wundervolle Frau und ich starre dabei in den Himmel, zähle die schwarzen Punkte, die über uns kreisen, immer und immer wieder, um meiner eigenen Wahrheit nicht in die Augen schauen zu müssen. Wenn man in die Sonne gucken könnte, ohne blind zu werden, wäre es dann genauso warm?
Die Musik ist leise, wie ein Geräusch in meinem Innern, immer da, im Hintergrund. Die Langsamkeit des Atmens unterstreichend, beobachtend bis zum Schlaf. Dies ist das letzte Lied, bei dem ich den letzten Gedanken an dich gedacht hab, bevor ich die Augen schloss. Entschlafen.
Mach dir keine Sorgen. Ich werde zwar nicht wieder aufstehen, aber ich werde immer weiteratmen.
In meinen Wimpern sammelt sich der Frost von letzter Nacht, so dass sie fast abbrechen, langsam, wie die Haare, die vom Kopf fallen, jeden Tag eins mehr. Abgemagert und dünn fühle ich mich, voll von all dem, was mich nicht ruhen lässt, doch ich zwinge mich zum Schweigen.
Die Straßen in meinem Kopf führen ins Nichts und trotzdem muss ich weiterlaufen. Für dich und mich, aber ist das denn soviel mehr, als bloß einfache Worte? Oder sind es nur Buchstabenfolgen, logisch aneinander gereiht?
Wir liegen unter meiner Decke. So viele Tage liege ich schon darunter und jetzt bist du bei mir. Ich konsumiere dich mit einer Behutsamkeit, die Trost schenkt. Ich habe verlernt, zu wissen, was ich brauche, ich habe verloren, was ich suche. Du bist niemand, dem ich vertrauen schenken kann. Du bist niemand, der mich liebt.
Aber du bist da.
Wer sagt, dies sei ein Liebeslied, der schwindelt. Es ist bloß die Angst vor dem, was kommen mag.
