Das letzte Mal, als wir uns gesehen haben, lagst du noch im Bett und warst im Schlaf versunken, während ich mich leise anzog und die Spuren der Nacht beseitigte.
Eine Bierdose, ein Aschenbecher mit zwei ausgedrückten Zigaretten und ein zerwühltes Laken. Eigentlich recht wenig.
Du hattest einen Schluck von dem Bier genommen und mich geküsst. Der letzte Schluck und der einzige, den wir teilten. Ich mag das nicht, aber bei dir, in der Minute, da fühlte es sich richtig an. Gedankenverloren starre ich auf das Stück Blech in meiner Hand und zerdrücke es möglichst leise, damit du nicht aufwachst. Dann leere ich den Aschenbecher und stelle ihn zurück auf den Tisch.
Es war die erste Nacht, in der wir zusammen in deinem Bett schliefen und nicht auf der Matratze im Wohnzimmer.
Ich war die erste Frau, die in diesem Jahr in deinem Bett, deiner Höhle sein durfte.
Ich habe dich angeschaut, ein bisschen zweifelnd mit tiefen Falten auf der Stirn und glaubte, du würdest lügen.
Das mache ich manchmal – zweifeln und dir kleine Lügen zutrauen. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn hin und wieder mag ich deine Schummeleien, weil doch immer ein bisschen Wahrheit drinsteckt.
Ich sitze am Rand der Matratze, die nackten Füße auf dem Holzboden und lausche. Komisch, dass die Wände nichts zu erzählen haben, dabei hörten sie doch schon soviel. Hin und wieder ein Lachen, wohlige Seufzer und zum Schluss nur noch leise Schluchzer. Zu viele in letzter Zeit.
Vorsichtig fahre ich mit den Fingerspitzen über einen Fleck auf dem Boden. Eine Spur, die ich nicht beseitigen kann. Ich bilde mir ein, dass du mich vergisst, wenn ich so tue, als wäre ich nie da gewesen. Ich bilde mir ein, dass nichts zurückbleibt. Bei mir.
In zehn Minuten musst du aufstehen. Du wirst duschen, dich anziehen und zur Arbeit gehen. Vielleicht ein bisschen besser gelaunt als gestern. Vielleicht ein bisschen entspannter.
Aber das werde ich nicht mehr mitkriegen, denn dann bin ich schon fort. Ich möchte nicht mit dir aufstehen, will deine Stimme nicht hören und dir nicht mehr in die Augen schauen.
Langsam packe ich meine Sachen und schleiche zu dir ins Zimmer, die knarrende Holzdiele meidend und beuge mich über dich. Ich streiche dir über die Wange und flüstere „Du, ich muss jetzt gehen.“ Du schaust ein wenig verwirrt, noch schlaftrunken und fragst, wie spät es ist. Ich gebe dir einen Kuss. Und noch einen, weil du mich drum bittest und ich mich frage, ob es wirklich der letzte sein wird.
Dann ziehe ich die Tür hinter mir zu.

… zurück bleibt das wispern der wände im herzen.