Ich weiß nicht welcher Tag heute ist. Ich weiß nicht, wo die Zeiger stehen, geschweige denn mein Kopf. Aber es fühlt sich an wie ein Mittwoch.
Mittwochs passieren immer die komischsten Sachen.
Mittwoch ist ein guter Tag zum Weinen.
Klein und viereckig wie eine Kiste fühle ich mich. Ungelenk. Die Knie angewinkelt, den Kragen des Pullovers übers Kinn gezogen, aber es ist nicht warm. Von innen kommt die Kälte, frostig wie letzte Nacht unter hundert Decken.
Ich zitterte trotzdem.
Eine Frau Mitte zwanzig sitzt auf der Bordsteinkante einer dunklen Straße irgendwo im Nirgendwo. Neben ihr steht eine Flasche Wein. Sie fühlt sich ein wenig verloren und klammert sich an die Zigarette in ihrer Hand. Nur mit zwei Fingern, denn das ist besser als nichts, glaubt sie.
Du magst es nicht, wenn ich soviel rauche. Doch was spielt das noch für eine Rolle. Hat es je eine gehabt? Meine Gesundheit ist es mir nicht wert, denn ich verberge keinen Schatz in mir. Nicht mehr.
Den letzten Kuss gabst du mir an einem Samstag. Ich erinnere mich an deinen Geruch. Er ist mir so vertraut wie mein eigener, doch man weiß nie, wonach man selbst riecht. Ich kann es nicht erklären und du fragst: Kann man einen Kuss erklären?
Zwei Stunden Schlaf. Taumelnd matt. Ich fotografiere mich selbst, denn die traurigsten Momente sind die schönsten auf Papier. Müde Augen, doch so klar wie nie.
Wäre ich doch nur stumm. Wir müssten nicht reden, uns nicht streiten. Nur tasten und fühlen, ein Blick in einem Café, meine Hand in deiner. Sie ist ein ganzes Stück größer. Das weiß ich, denn wir haben sie mal aufeinander gelegt, lächelnd hinter beschlagenen Autoscheiben. Aber das ist lange her und gestern ist nicht mehr heute.
Ich höre das Ticken der Uhr, doch ich kann es nicht deuten. Zeit ist nicht wichtig, doch wir hätten Zeit gebraucht. Länger als drei Jahre?
Du hast Angst und jeder Schritt ist einer zuviel. Du nach hinten, ich nach vorne. Der Raum dazwischen bleibt der gleiche – für einen Moment. Danach ist alles anders, aber noch nie war es für immer.
Ich bin ein Mittwochskind.
Mittwochskinder mögen keine Abschiede und deshalb vermeiden sie es, für immer leb wohl zu sagen.

mein kompliment, das ist richtig gut geschrieben.
inhaltlich vielbietend…nachdenklich machend, ich versetz’ mich in die frau mitte zwanzig…wie traurig und voller sehnsüchtigen erinnerungen sie ist, die hier beschriebene. und da ist noch ein meer von mehr.
Liebe Ada, ganz toll geschrieben, ich habe mich inzwischen schon vor einiger Zeit von meinem Freund getrennt, wenn ich Deine Worte lese, denke ich es wäre erst gestern gewesen. Die Gefühle wiederzuerleben ist nicht so toll ehrlich gesagt;) aber die Art und Weise wie Du es schaffst, Durch Deine Worte Gefühle zum Leben zu erwecken ist absolut fantastisch. Kompliment!