While I Talk to the Wall
Montag, 18 Februar, 2008 von Ada Mitsou
Letzte Nacht bin ich in dein Haus eingebrochen. Vorsichtig schlich ich auf Zehenspitzen die Treppen rauf, strich mit den Fingern über die Wände und atmete dich ein. In jeder Ecke ein Wort von dir, in jedem Winkel ein Blick und leise im Hintergrund dein Lachen. Je höher ich stieg, desto wärmer wurde es und mit der Geschmeidigkeit einer Katze drängte ich mich lautlos durch den Türspalt. Man muss aufpassen, dass sie - die Tür - nicht aufgeht, denn sie quietscht leicht und beim Schließen braucht es einen kräftigen Ruck.
Doch in dieser Nacht wollte ich nichts verriegeln. Ich wollte dein Gesicht sehen.
Dein Brustkorb hob sich unter den gleichmäßigen Atemzügen des Schlafs und ich legte suchend meine Hand darauf. Ich suchte einen Punkt auf der linken Seite und als ich ihn fand, ließ ich sie ruhen.
24 Schläge. Ein Tag.
Und nochmal zwölf. Ein Jahr.
Ich atmete tief ein und zählte jeden Moment. In deinem Kopf muss ein Gedanke gewesen sein, denn du bewegtest dich leicht - kein Lächeln um deinen Mund, aber das Herz klopfte für einen Moment schneller.
Zeit zu gehen, flüsterte ich und drückte meine Lippen behutsam auf deinen Mund. Vielleicht ließ ich meine Hand zu lange auf deiner Wange ruhen oder ich war dir zu nah, sodass du dich in meine Haut einbranntest und ich mich in deinen Kopf. Die Herzen schwiegen beide nicht. Auch nicht auf Kommando.
Ein Herzklopfen lügt nicht, habe ich einmal zu dir gesagt und mir kommt es vor, als wäre das Jahre her, doch eigentlich stehst du immer noch neben mir. Manchmal, wenn wir morgens in den Spiegel schauen mit Augenringen von einer durchkämpften Nacht, blicken wir in das Gesicht des anderen. Mein Gesicht liegt in deinem, deins in meinem. Wir erkennen uns wieder an Orten, wo vorher nur ein Ich war und manchmal schwebt ein Geruch vorbei, den wir glauben zu kennen. Wenn wir danach suchen, merken wir, dass wir letztlich doch nur alleine sind.
Jetzt.
Ich sitze in meinem Zimmer, betrachte die Wände weniger aufmerksam als dich und lausche.
Du hast mir einmal ein Buch geschenkt. Das ist Jahre her, aber ich weiß noch heute, dass mir die mit Tinte geschriebenen Worte auf der Innenseite damals mehr bedeuteten, als die gedruckten dahinter. Ich halte es in den Händen wie einen kleinen Schatz und streiche mit den Fingerspitzen über die Zeilen. Ich weiß nicht, wie oft ich das in den letzten Monaten getan habe, doch diesmal ist es was anderes.
Es war oft eine Entfernung zwischen uns, die Kilometer um Kilometer wuchs, aber genauso haben wir immer wieder Kilometer um Kilometer abgebaut. Manchmal entglitt deine Hand der meinen und es gab Zeiten, da hielt ich zwanzig Zentimeter – den Abstand zwischen dir und mir in einem Café – für viel zu eng. Zu begreifen, dass es nicht auf Räumlichkeiten ankommt, hat lange gedauert.
Meinem Gefühl kann ich nicht entkommen, auch nicht, wenn du dich davon machst und selbst wenn ich wochenlang kein Wort von dir höre, so werde ich immer noch deine Hand halten. Denn wenn man jemanden loslässt, damit er seine Träume finden kann, ist irgendwo noch Platz, um zwischen all dem die Liebe nicht zu vergessen.
ein text so geschmeidig wie ein katze, die um mein herz herumschleicht. sehr berührend!