Mit einer umklammernden Geste ziehe ich die Beine an meinen Körper wie bei einem Karton, den man zusammenfaltet, weil man den Inhalt bereits herausgenommen hat.
Ich beobachte die Rauchschwaden, die an meinem Gesicht vorbeiziehen und alles verschwimmen lassen, wenn sie die Netzhaut berühren. Irgendwo singt ein Vogel und ich balle die Hände zu kleinen Fäusten, um die Zeit festhalten zu können. Sie vergeht so schnell heute und bevor man ausweichen kann, prallen zwei Stirnen aufeinander, weil man nicht gemerkt hat, dass man einen Schritt zu weit gegangen ist.
Es ist so schwer Entfernungen abzuschätzen, wenn die Wegmarkierungen fehlen.
Du bist stehen geblieben, reibst dir verwundert die Stirn. In deinen Händen liegen verwelkte Blumen, die du irgendwo unterwegs gepflückt hast. Von einer Sekunde auf die andere weißt du nicht mehr, wo du hinwolltest und kommst nie an. Du öffnest die müde gewordenen Finger und lässt die zerdrückten Blüten langsam zu Boden sinken. Wie Staub.
Irgendwann wird niemand mehr wissen, wofür sie waren, genauso wenig wie du selbst.
Mit geschlossenem Mund flüsterst du Küsse, die niemand hören kann.
Vorsichtig falte ich mich auseinander und beginne mit den Zeigern der Uhr zu spielen. Jedes Mal, wenn ich einen davon nach hinten schiebe, bewegt er sich im Zeitraffer wieder nach vorne. Bevor er abbricht, schleiche ich mit gewissenhafter Blindheit zurück auf meinen Platz.
Soviel Luft um mich herum und doch habe ich das Gefühl stetig Insekten einzuatmen. Sie setzen sich auf die Lungenwände und lassen mich husten, bis ich schließlich merke, dass der eigentliche Fremdkörper nur mein Abbild auf der schmutzigen Scheibe ist.
Es ist so schwer, sich selbst zu vergraben, wenn die Hände reflexartig alles beiseite schieben, was ich mühsam anhäufe.
Du beginnst in der dunklen Erde zu wühlen und suchst Spuren, die dich erinnern könnten. Du erahnst Formen, glaubst etwas zu finden, doch die Spitzen deiner Finger werden blutig von dem Stein, an dem du unaufhörlich kratzt.
Als du ihn endlich durchbrochen hast, siehst du, dass dahinter nur ein weiterer Felsbrocken liegt. Wie eine unendliche Geschichte, in der jeder Schritt nach vorne, einen nach hinten bedeutet.
Ich liege auf einer Wiese.
Du stehst irgendwo im Nichts.
Dazwischen sind zwei Meter.
