Atmen
Mittwoch, 30 Januar, 2008 von Ada Mitsou
Ich habe mich an die Stille gewöhnt. Leise schleiche ich durchs Haus und fahre im Vorbeigehen mit den Fingern über die Tapete, konzentriert und lauschend, als würde ich prüfen, ob meine Fingerspitzen immer noch so empfindlich sind wie bei deinem letzten Besuch.
Jede Bewegung ein Schatten meiner selbst. Wäsche falten, Geschirr spülen, Kaffee kochen. Ich meide die leeren Flaschen auf dem Fußboden, leere im Stundentakt den Aschenbecher.
Verlernt man das Sprechen, wenn man tagelang keinen Laut von sich gibt?
Manchmal denke ich an dich. Flüchtig, während ich das Fenster öffne, um die im Raum stehende Hitze abzukühlen. Manchmal forme ich Wörter im Kopf, wissend, dass du sie nicht hören kannst.
Vielleicht gerade deshalb.
Wir haben uns tot geredet. Hundertmal habe ich mich gefragt, wie oft ich sterben muss, bis du mich verstehst. Hundertmal habe ich dich gefragt.
Wir leben trotzdem weiter.
Ein Atemzug, manchmal ein Seufzer. Nicht schwer, nicht leicht.
Ich ziehe mein schönstes Kleid an und stelle mich vor den Spiegel. Vielleicht möchte ich einfach von jemandem betrachtet werden. Merken, dass ich noch da bin, obwohl du mich nicht mehr anschaust.
Es ist nicht einfach, fernab von alldem den Realitätssinn zu behalten. Schlafen, aufstehen, schlafen. Etwas essen?
Jede Entscheidung ist keine Entscheidung.
Ich möchte, dass es leichter wird. Besser als nichts. Glücklicher als leer.
Zeit zurückdrehen und vorspulen.
Pause.
Wir sind so müde geworden. Schlafen Seite an Seite in getrennten Betten.
Und wenn der Tag zu Ende geht, dann schickst du mir eine Nachricht.
Viele Kilometer und zwölf Tage dazwischen.
Ich mag dich immer noch.