Wir trafen uns in einem Garten…
Sonntag, 20 Januar, 2008 von Ada Mitsou
Samstag war der erste warme Tag, den ich seit langem nochmal mitbekommen habe. Ich lag bei dir im Garten und döste so vor mich hin, als sich ein Schmetterling auf meinen Ellenbogen setzte.
Er war so nah an meinem Gesicht, dass ich sehen konnte, wie sich sein Rüssel aus- und einrollte und ich war so fasziniert, dass ich mich nicht traute mich zu bewegen aus Angst, er könne davonfliegen. Ich glaube, genauso ging es mir mit dir früher.
Für mich warst du der schönste Mensch, den ich je getroffen hatte und weil ich mich im Vergleich zu dir so klein und gewöhnlich fühlte, konnte ich nichts anderes tun, als dich zu bewundern. Vielleicht hat das alles so schwierig gemacht, denn wenn das Kräftegleichgewicht anfängt zu schwanken, nutzt früher oder später immer einer seine Position aus, meist der stärkere von beiden.
Heute haben sich die Dinge geändert. Ich habe auch deine hässlichen Seiten kennen gelernt, das Komplizierte und Erdrückende. Ich bin daran gewachsen und du bist der geworden, der du bist. Nicht mehr, nicht weniger. Und deshalb liege ich heute hier in deinem Garten, während du etwas zu essen machst.
Es ist schon komisch wie manches geht und anderes hingegen bleibt. Ich fühle mich immer noch wohl bei dir, mag es immer noch wie du lachst und was du erzählst und nach kurzer Zeit, die wir zusammen verbringen, spüre ich irgendwo die leichte Spannung, die schon immer da war. Wir ziehen uns gegenseitig auf, machen Anspielungen und wenn wir zusammen auf der Couch liegen, müde von der Sonne, und du mir den Rücken kraulst, dann legt sich ein leichter Schauer über meine Haut. Und glaub nicht, dass ich es nicht merken würde, wenn Blicke Bände sprechen.
Dabei gibt es jedoch einen Unterschied: Ich sage nein, wenn ich das Gefühl habe, dass dein Mund meinem zu nahe kommt und ich schüttele den Kopf anstatt zu schweigen.
Was in mir drin passiert, ist ein anderes Thema. Kopfkino. Spielereien.
Aber eins weiß ich: Kein Sex der Welt ist besser als das Gefühl einen Freund zu haben. Jemanden, der mir beim Spazierengehen heimlich die Hundeleine am Gürtel befestigt oder mir beim Raufen eine Wasserflasche unters Kinn haut und danach prüfend mit den Fingern darüber fährt, ob noch alles heil ist.
Und das, was ich früher an dir hasste – das Unverbindliche, die wankelmütige Leichtigkeit – das liebe ich nun, denn mit keinem kann man so schön albern sein wie mit dir.
manchmal sollte man den zauber so lassen wie er ist und ihn nicht durch undefinierbare dinge wie gefühle kaputt machen.