~~~~ Hope Sandoval & The Warm Inventions ~~~~
Bavarian Fruit Bread
Hope Sandoval wurde 1966 als Tochter mexikanisch-amerikanischer Eltern geboren. Nach der Mitwirkung bei diversen Bands lernte sie in den 80ern David Roback kennen, mit dem sie schließlich 1989 die Band Mazzy Star gründete. Diese Band dürfte vielleicht einigen durch Lieder wie „Fade into you“ oder „She hangs brightly“ bekannt sein, obwohl sich Mazzy Star was Konzerte und Interviews betrifft eher rar machten.
Nach einer Ruhepause von ungefähr fünf Jahren erschien Hope Sandoval wieder auf der Bildfläche und brachte in Zusammenarbeit mit Colm O’Ciosoig (Ex-Drummer von My Bloody Valentine) 2001 ihr erstes Soloalbum Bavarian Fruit Bread heraus. Dabei handelt es sich um die CD, auf die ich nun näher eingehen werde.

~~~~ Die Musik ~~~~
Dicht gewoben und zart zugleich strömen die Klänge aus den Lautsprechern. Eine hauchende, dunkle Stimme erzählt von Einsamkeit und Liebe und scheint einem dabei singend ins Ohr zu flüstern, sodass man sich unverzüglich zurücklehnt und einfach nur lauscht. Die Gesichtszüge entspannen sich mit jeder weiteren Sekunde etwas mehr und es fühlt sich an, als würde man schlafen, ohne die Augen zu schließen. So, als wäre der Körper nur noch ein ruhiges Atmen, auf das man sich ohne Anstrengung konzentrieren kann.
Ist das erste Lied „Drop“ noch verhältnismäßig lebendig, versinkt man mit den folgenden immer mehr in den Zustand des Abschaltens. Helle Glockenspiele erklingen unaufdringlich zwischen den einzelnen Gesangspassagen und erinnern ein wenig an „Sunday Morning“ von The Velvet Underground.
Hin und wieder hört man jemandem auf einer Mundharmonika spielen, was dem Ganzen einen Hauch von Folk gibt, sich aber nicht wirklich damit vergleichen lässt. Es ist kein Country, wenn das nun jemand befürchtet. Vielmehr erinnert die Musik an einen gemütlichen Sonntagnachmittag mit Decken und Tee. Ein Tag, an dem man an nichts denken möchte und die Zeit verstreicht, ohne dass man sich darüber Gedanken machen muss.
Diese zarte Leichtigkeit wird dadurch bestärkt, dass hauptsächlich akustische Gitarren eingesetzt wurden. Ein Schlagzeug hört man nur selten, ebenso Streicher, dafür jedoch Geräusche, die an einen Urwald erinnern. Hier ein leichtes Rauschen, da ein vereinzelter Vogelschrei, doch all diese Geräusche, all diese Instrumente sind bloß die Klangkulisse für Hope Sandovals Stimme, die das ganze Album trägt. Klingt sie im einen Moment sanft und melancholisch, wirkt sie im nächsten zugleich lasziv und fordernd, immer mit einem Hauch unaufdringlicher Erotik, aber auch so, als würde sie einfach vor sich hin singen und sich dabei in ihrer eigenen kleinen Traumwelt verlieren. An manchen Stellen verschluckt sie mal einen Buchstaben, vielleicht ist das aber auch nur Teil des flüsternden Gesangs, der einen wohlig und schläfrig Seufzen lässt.
Bitter-süße Melodien vereinen sich mit leichten Klavierpassagen, verspielte Glockenklänge mit Geräuschen des Regenwalds. Ein sehr schlichtes, aber doch fesselndes Album, das einen zugleich fasziniert und beruhigt.
~~~~ Die Texte ~~~~
In Hope Sandovals Texten geht es um Berührungen und Gefühle, um das Alleinsein und Warten, das Verschwenden von Zeit und auch ein bisschen um Hoffnung. Kurz gesagt: Es geht um Liebe. Doch dabei handelt es sich nicht um eine kitschige Form von Liebe, sondern vielmehr um eine schlichte, leise Gefühlsregung. Ein Moment, in dem es ruhig wird und man sich fragt, was einem das Herz eigentlich sagen möchte.
In ihren Worten findet man immer eine leichte Verzweiflung oder Hilflosigkeit, doch nie ein Klagen. Es ist etwas sehr Zartes, Zerbrechliches, das man mit einer Handbewegung wegwischen könnte, dessen Spuren jedoch blieben.
Im Grunde sind die Worte wie die Stimme der Sängerin: Ein Hauchen und Flüstern, das irgendwo ganz leise erklingt und im Hintergrund nachhallt.
The way you drop
Is like a stone
Making out you’re flying
But you’ve just been thrown
(Drop)
Suzanne is waiting at your doorway
But all she does is waste your time
And she looks just like my sister
But she feels just like my man
(Suzanne)
Hope Sandoval sagt von sich selbst, dass sie eher ein ruhiger Typ sei und ihre Zeit am liebsten Zuhause mit einer Flasche gutem Rotwein und alten Filmen verbringe. Genau diese nachdenkliche, aber auch entspannte Stimmung, lässt sich sowohl in den Texten als auch in der Musik wiederfinden.
~~~~ Für Fans von… ~~~~
Wer Mazzy Star liebt, wird dieses Album wahrscheinlich mögen, auch wenn es etwas ruhiger und nicht so düster wie die M. S. Alben ist.
Fans von The Verve könnte die Musik ebenso gefallen (manche Geräuschkulisse von Hope Sandoval erinnert an „Neon Wilderness“), aber auch Menschen, die Serge Gainsbourg mögen, werden etwas für sich finden (”On the Low” erinnert mich sehr daran).
Grundsätzlich ist es ein sehr ruhiges, entspanntes Album, das sich für verregnete Sonntagnachmittage mit Decken und Tee eignet.
Ein schläfriger Tag, den man mit dem/der Liebsten im Bett vertrödelt oder ein Moment, in dem man etwas melancholisch ist – dafür eignet sich Bavarian Fruit Bread bestens. Allerdings muss man in der Stimmung dafür sein, da einem sonst die gehauchten Worte schnell mal auf den Geist gehen. Wer also lieber schnellere Musik oder welche zum Ausgehen und Tanzen hören möchte, sollte nicht zu dem Album greifen.
Interpret: Hope Sandoval & The Warm Inventions
Titel: Bavarian Fruit Bread
Label: Rough Trade
Erschienen: 2001
